Die stetige Ambivalenz

Der verstorbene Science-Fiction-Autor Douglas Adams stellte einmal drei Regeln auf: „Erstens: Alles, was es bereits gibt, wenn wir geboren werden, ist normal, gewöhnlich und ein natürlicher Teil der Welt. Zweitens: Alles, was zwischen unserem 15. und 35. Lebensjahr erfunden wird, ist neu, aufregend, und revolutionär. Drittens: Alles, was nach unserem 35. Lebensjahr erfunden wird, ist gegen die natürliche Ordnung der Dinge.“

Ich bin 27 Jahre alt. Das Internet und die Digitalisierung an sich – ist Teil meiner natürlichen Welt, dessen Gebrauch für mich alltäglich. Viele neue Dinge, welche diese technische Revolution mit sich bringt, finde ich aufregend und faszinierend. Andere wiederum sind mir suspekt, gegen unsere Natur, gehören für mich nicht hier her. Ich bin im ständigen Zwiespalt. Steige ich nach der Arbeit in den Bus, bin ich umgeben von einer neuen Spezies, den sogenannten Smombies. Ich bin genervt und denke – was für ein Trauerspiel. Kein Mensch der mir nach Feierabend einen wohlwollenden Blick zuwirft, kein amüsantes Teeniegespräch, welchem ich neugierig lauschen könnte. Wie denn auch, sie starren ja alle auf ihre Smartphones. Was mache ich nun – gut dann halt erst mal WhatsApp checken. Schon nach kurzer Zeit drifte ich selbst in die digitalen Sphären ab. Die Omi mit dem Gehstöckchen neben mir, welche meinen Sitzplatz weitaus besser brauchen könnte, bemerke ich jetzt schon gar nicht mehr.

Ich steige aus dem Bus, laufe die Strassen entlang, den Blick immer noch auf den Bildschirm gerichtet. Hupen, rote Ampel. Gefährlich, deswegen werden für den abwesend umherwandelnden Smombie bereits neue Massnahmen entwickelt, um diesem Problem entgegenzuwirken. Zum Beispiel Bodenampeln, sogenannte Bompeln, welche rot blinken, wenn ein Tram sich nähert, oder eine App, bei welcher der Smombie direkt eine Warn-Nachricht auf dem Display erhält, sobald die Ampel auf Rot wechselt.

Nun ja, bin ich dann unversehrt zu Hause angekommen, logge ich mich auf Facebook ein. Ich poste keine Bilder von mir, vergebe keine Likes und meine Timeline ist komplett leer. Laut einer Social Media Nutzertypologie würde ich den sogenannten Lurkers angehören (to lurk = herumschleichen), den stillen Beobachtern. So schaue ich mir also die geposteten Bilder, Kommentare und Videos anderer an und dies über Stunden. Wieso mache ich das? Ich habe keine Ahnung. Beim Nutzerverhalten von diesen besagten anderen, welche gerne und ausgiebig posten, könnte sich in Zukunft jedoch ein Wandel abzeichnen. Bereits jetzt beklagt Facebook, dass immer weniger private Inhalte gepostet werden. Schluss mit Babybildern, Hochzeitsfotos und Co.? Nun ganz so ist es nicht, es scheinen aber familiärere und flüchtigere Netzwerke, wie beispielsweise Snapchat, immer beliebter zu werden (Moorstedt, 2016).

Ich bin gespannt, in welche Richtung sich das Ganze entwickeln wird. Und nun, liebes Individuum 4.0, welche Botschaft könnte ich dir für die Zukunft mitgeben? Da ich die Botschaft für mich selbst noch nicht einmal kenne – leider keine. Zu gross ist die Unsicherheit, der Widerspruch. Darum entlasse ich dich jetzt in die digitalen Sphären und sage Adieu.

Zum Abschied noch ein wenig Musik 🙂

 

 

Die Macht des Einzelnen im Kollektiv

„Vieles, was wir uns als persönliche Ziele erträumen, lässt sich nicht ohne die Unterstützung anderer realisieren“ und „in den arabischen Ländern eröffnen soziale Medien die Möglichkeit, sich zu vernetzen und gemeinsam gegen die Zwänge der Despoten und Diktatoren aufzubegehren, um in Freiheit zu leben und individuelle Chancen wahrzunehmen“ (zukunftsInstitut, 2016).

So da haben wir es. Das Internet. Es bringt durchaus auch sinnvolles hervor  :). Es ermöglicht dem Einzelnen sich zu informieren, sich politisch zu äussern und sich damit eine eigene Meinung zu bilden. Und es wird vor allem dann interessant, wenn dieses Potenzial hinsichtlich politischer Belange ausgeschöpft wird. So auch geschehen Anfang dieses Jahres bei uns in der schönen Schweiz. Ein klares Nein – zur Durchsetzungsinitiative der SVP. Der menschlichen Vernunft sei Dank. Ein kleines Wunder, denn nicht wenige Monate vor der Abstimmung lagen die Umfragewerte mit 66% noch bei einem klaren Ja. Wie kam es also noch zu dieser Kehrtwende? Einer der möglichen Gründe für dieses Ergebnis: die Interaktion in sozialen Netzwerken. In den Wochen vor der Abstimmung wurde fleissig gepostet, gelikt, getwittert und das von jedem einzelnen Individuum. Die Profilbilder auf Facebook wurden ausgewechselt, so erschien meist nur noch ein schlichtes NEIN, anstatt das gewohnte Selfie. Bei Twitter machte der Hashtag #DSInein die Runde. Angetrieben wurde diese Dynamik vor allem durch die Gegenkampagnen der Durchsetzungsinitiative, wie beispielsweise jene der politischen Bewegung Operation Libero. Die Organisation, welche von jungen Studenten gegründet wurde, setzte gezielt Social Media ein, um sich vor allem bei den jüngeren Bürgern Gehör zu verschaffen. So wurde beispielweise über Facebook auf die Widersprüche und Gefahren der Initiative aufmerksam gemacht. In den sozialen Netzwerken kam es dieser Tage dann vermehrt zu Debatten, welche Schlagwörter wie Rechtsstaat, Verhältnismässigkeit, Gewaltenteilung etc. beinhalteten (Schmid, 2016). Es fand ein Diskurs statt, zwischen Gegnern und Befürwortern und zwischen jenen, welche sich ansonsten vielleicht nicht wirklich für Politik interessieren.

Dies soll hier kein Lobgesang auf die sozialen Medien an sich werden. Jene sind letzten Endes nämlich nur Mittel zum Zweck. Ein Kommunikationstool, welches von uns einzelnen Individuen bespielt wird. Sie helfen jedoch schlussendlich dabei, die persönliche Einstellung einzelner Individuen, gerade auch was gesellschaftlich wichtige Themen anbelangt, einer breiteren Masse zugänglich zu machen und auf diese Weise Überzeugungsarbeit zu leisten. Das einzelne Individuum erkennt, dass es mit seiner Haltung nicht alleine da steht. Sobald sich dann diese einzelnen Individuen zu einer Einheit formieren, welche alle die gleiche Botschaft aussenden, nämlich – Nein nicht mit uns – kann das durchaus einiges ins Rollen bringen.

Etwas bewegen möchten auch jene Einzelne die an sogenannten Smartmobs teilnehmen. Dabei mobilisieren sich Personen, welche sich vorher noch nie begegnet sind mit Hilfe von Internet oder SMS, um sich an einem meist öffentlichen Ort zu treffen und gemeinsam auf Missstände und wichtige Themen aufmerksam zu machen. Im Gegensatz zum Flashmob, bei welchem der Spass im Vordergrund steht, verfolgt der Smartmob vor allem politische Ziele. Auch in der Schweiz haben in der Vergangenheit bereits solche Smartmobs stattgefunden. Dabei ging es beispielweise um den Schutz vor Waffengewalt oder das Exportverbot von Kriegsmaterial.

Mit Hilfe des Internets und infolge der Nutzung von modernen Kommunikationsmitteln, entsteht somit eine ganz neue Art der politischen Partizipation. Wir dürfen also gespannt sein wie sich diese Thematik in der Zukunft des Individuums 4.0 weiter entwickeln wird.

Datenschutz – Warum?

Was genau bedeutet Datenschutz, wie werden unsere Personendaten genutzt und wer informiert uns über Sicherheitsmassnahmen?

Das Datenschutzrecht ist dazu da, Personendaten gegen Missbrauch zu schützen und die informationelle Selbstbestimmung zu gewährleisten.

Personendaten sind „Informationen, die sich auf bestimmte oder bestimmbare Personen beziehen“ (Rudin, 2011). Man unterscheidet „gewöhnliche“ und „besondere“ Personendaten, wobei erstere der Name, die Adresse oder beispielsweise das Geburtsdatum einer Person bezeichnen. Diese Personendaten bringen in der Regel kein besonderes Risiko einer Diskriminierung mit sich. Bei der Bearbeitung „besonderer“ Personendaten besteht hingegen die Gefahr der Verletzung der Grundrechte. Hier handelt es sich um Daten, wie religiöse oder politische Ansichten oder auch Daten über den Gesundheitszustand. Jedoch können auch „gewöhnliche“ Personendaten unter bestimmten Umständen besonders schützenswert werden – so zum Beispiel auch im Internet. (Dsb BS)

Für Unternehmen ist es heute, dem Internet sei Dank, sehr einfach, das Konsumverhalten einzelner Personen nachzuzeichnen und daraus Persönlichkeitsprofile zu generieren. Es werden die „gewöhnlichen“ Personendaten verfolgt, beobachtet, wann man wo welche Inhalte anschaut, wie lange man auf einer Seite verweilt und was man dabei anklickt. Auch die IP-Adresse gehört zu den „gewöhnlichen“ Personendaten. Man wird vom Nutzer und einfachen Surfer zum Vermarktungsobjekt und erhält massgeschneiderte Werbung aufgeschaltet. So werden auch immer wieder die grossen Internet-Firmen wie Google und Facebook für den zu „geschäftstüchtigen“ Umgang mit den Personendaten kritisiert (Kremer, 2015).

Das Recht der informationellen Selbstbestimmung ermöglicht einem, selber zu entscheiden, wann und wo man welche Daten über sich preisgeben möchte. Doch vielen ist nicht bewusst, was es heisst, wenn sie ihre persönlichen Fotos auf Social Media-Kanälen verbreiten und was das für Auswirkungen haben kann. Der Freund meines Freundes kann meine persönlichen Fotos sehen (wenn ich das nicht in den Sicherheitseinstellungen ändere) und dieser ist vielleicht mit meinem Chef befreundet. Möchte ich wirklich, dass gerade mein Chef davon erfährt, was ich am Wochenende gemacht habe und ein vielleicht sehr unpassendes Bild von mir findet?

Auch die Geheimdienste stehen vermehrt in den Schlagzeilen für ihren „unverhältnismässigen Eingriff in den Datenschutz“ – die Überwachung des einzelnen Bürgers hat aufgrund von Terrorattacken eine neue Wichtigkeit erhalten (Kremer, 2015). Doch wie viel Überwachung ist dabei zu viel? Wo muss auch der Staat seine Grenzen ziehen?

Laut einer Amerikanischen Studie führt die staatliche Überwachung sogar schon zu Selbstzensur im Internet. Persönliche Meinungen werden angepasst, aus Angst vor einer möglichen Überwachung durch den eigenen Staat.

Wohin führt uns denn das Ganze?

Mehr und mehr appellieren auch die Behörden an den Schutz der Personendaten im Netz und versuchen, die Bürgerinnen und Bürger aufzuklären. (Die Behörden selber besitzen allerlei Informationen über uns Bürger – beim Beobachter kann man lesen, was sie damit tun). Der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich beispielsweise hat im Januar dieses Jahres YoutuberInnen dazu aufgerufen, ihre Erfahrungen mit dem Datenschutz und der Privatsphäre in einem Film darzustellen. Zahlreiche Videos sind das Resultat des Aufrufs, wobei man hier das Siegervideo schauen kann:

Selber ist der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich auch seit kurzem mit einem eigenen Kanal auf Youtube präsent. Neben den öffentlichen Institutionen treten auch Private immer mehr mit informativen Plattformen zur eigenen Sicherheit im Netz auf. Auf dem Infoportal ID Kompass der Bundesdruckerei findet man thematische Artikel und nützliche Tipps und Tricks im Umgang mit dem Datenschutz, aber auch allgemeine Informationen zum Thema Sicherheit im Netz.

Wird es helfen, die Digital Natives auf einen bewussteren Umgang mit ihren Daten im Internet aufmerksam zu machen? Oder werden die Individuen 4.0 ganz anders zum Thema Datenschutz und Privatsphäre stehen?