Data Love – Love Privacy

Ich stehe vor einem Konflikt – einem inneren Konflikt, den wohl einige kennen und für den es möglicherweise keine befriedigende Lösung gibt. Der Konflikt heisst „Data Love“ – oder bessergesagt, Roberto Simanowski beschreibt in seinem Essay „Data Love“ diesen Konflikt mit diesem Begriff so treffend, dass ich mir die Bezeichnung hier ausleihen werde.

Was bedeutet denn „Data Love“: Einfach ausgedrückt heisst es soviel wie: Wir alle lieben Daten. Und das tun wir tatsächlich. Weiss ich die Antwort auf eine Frage nicht, google ich sie schnell. Will ich eine Person, die ich soeben (analog) getroffen habe, wiedersehen, suche ich sie (digital) auf Social Media-Kanälen, schaue mir ihre Fotos und Posts an und mache mir ein Bild von ihr. Ich informiere mich und analysiere die gefundenen Daten. Und Simanowski (2015, S.7-8) stellt fest: „Wir sind so hungrig nach Information wie freigiebig mit ihr. […] Wir sind auf einer Mission der permanenten Daten-Produktion als Beitrag zur Erkenntnis: für Wirtschaft, Medizin, Gesellschaft. Wir glauben an Fortschritt durch Analyse.“

Wir leben in einer Informationsgesellschaft – wir wollen und generieren die Information gleichzeitig. Mit dem Smartphone, dem Tablet, überhaupt allen technischen Geräten stellen wir unsere ständige Informiertheit sicher. Wir sind rund um die Uhr und überall erreichbar, online, am Puls der Zeit. Spürt ihr ihn, den Puls? Der Rhythmus entspricht wahrscheinlich unserer Click-Quote und befriedigt somit auch das Big-Data-Mining, „die computergesteuerte Analyse großer Datensammlungen auf bestimmte Gesetzmäßigkeiten und unbekannte Zusammenhänge hin“ (Simanowski, 2015) – auf die wir doch so scharf sind.

Simanowski erklärt den Begriff wie folgt (S.9): „Data Love ist ein Phänomen der Kontroll- wie der Konsumgesellschaft im Zeitalter ihrer digitalen Verfasstheit. Sie vollzieht sich im Interesse derer, die der Datenschutz retten will.“

shot-love
Bild: Quantcast / dribble

Hier also der Clinch.

Genauso sehr wie ich, sowie auch die meisten Leute der heutigen Informationsgesellschaft die Daten lieben, will ich mein Recht auf Selbstbestimmung nicht verlieren. Während ich im Internet surfe, dies und das lese, meine Clicks hinterlasse, wird damit im Hintergrund mein Datenprofil mit immer mehr Information über mich bereichert. Diese Daten gebe ich freiwillig preis – ob ich meine Ferien buche oder auf Facebook etwas poste. Und doch will ich meine Privatsphäre schützen. Ich wünsche mir weder, dass alles was ich im Netz hinterlasse analysiert wird, noch, dass man für immer und ewig darauf zugreifen kann. Werde ich in Zukunft nur noch verschlüsselte Nachrichten versenden, im nicht-trackenden Browser surfen und anonym auf Foren posten? Und wird das auch wirklich sicher sein, so wie das alle diese Unternehmen versprechen? Wohl kaum – bereits jetzt werden die Firmen, die Privatsphäre versprechen, gehackt, so auch der Genfer Mailanbieter Protonmail.

Harald Welzer und Michael Pauen machen uns auf die Bedrohung unserer Freiheit in ihrem Buch „Autonomie. Eine Verteidigung“ aufmerksam und rufen dazu auf, die „Fähigkeit zu selbstbestimmtem Handeln gegen Widerstände“ auszuüben (Roedig, 2015). Sprich, bewusster mit unseren Daten umzugehen. Denn „Autonomie und Demokratie [hängen] wesentlich von Privatheit [ab und] genau diese Privatheit [wird] im Zuge der jüngsten Entwicklungen der Kommunikations- und Informationstechnologien massiv erodier[t]“ (Roedig, 2015). Darum geht es auch. Darum, das Recht auf Privatheit wieder ins Bewusstsein zu rufen und einen bewussten Umgang mit unseren Daten zu erlernen.

Simanowski (2015, S.14) stellt sich zu Recht die Frage, „warum Menschen als Staatsbürger auf eine Privatsphäre pochen, die sie als Konsument leichthin preisgeben.“ Aber trotzdem soll das Recht auf Privatsphäre nicht untergraben, ja vergessen werden!

Meine Botschaft: Liebt die Daten, aber lehrt einen bewussteren Umgang mit dem Publizieren eurer privaten Schätze und hinterfragt euer Handeln, bevor ihr etwas ins Netz stellt.

 

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