Der Offliner – die pure digitale Abstinenz?

Was ist ein Offliner? Es gibt sie zur Genüge, die Berichte über Individuen, welche im sogenannten Selbstversuch, dem Internet – meist jedoch nur für eine kurze Zeitspanne – Adieu sagen. Sich der fortschreitenden Digitalisierung demonstrativ entgegenzusetzen gilt als hip. Denn „in den USA nennen sie es bereits ein Zeichen intellektueller und geistiger Unabhängigkeit, sich von Facebook und Twitter abzumelden“ (Weber, 2015). So haben sich bis anhin schon einige Stars diesem Trend angeschlossen, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Das Offline-sein ist, wie wir bereits in einem anderen Blogbeitrag kurz erwähnt haben, durchaus ein Trendthema. Auch der Ökonom Joël Luc Cachelin hat sich in seinem Buch „Offliner – Die Gegenkultur der Digitalisierung“ mit dem Phänomen der Offliner beschäftigt und diese in verschiedene Typen unterteilt. Vorab darf aber gesagt werden, dass die von Cachelin konstruierten Typen mit Sicherheit nicht als allgemeingültig angesehen werden können. Ein kleiner Einblick kann jedoch trotzdem nicht schaden. Einer der Typen, der sogenannte Nonliner – entweder ein alter, bildungsferner oder global abgeschnittener Mensch – hat gar keinen Zugang zum Internet. Diese Art könnte man wohl eher Zwangs-Offliner nennen.

Alle anderen beschriebenen Typen zeichnen sich nicht primär durch den automatischen Verzicht aufs Internets aus. Die Anti-Transhumanisten beispielsweise fürchten die Verschmelzung von Mensch und Maschine. Die Nachhaltigen stören sich an den produzierten Abfällen und dem hohen Energiebedarf von digitalen Geräten. Die Kapitalismuskritiker bemängeln, dass durch die Menge an persönlichen Daten, welche im Internet gesammelt werden, das kapitalistische System gestärkt wird. Für die Kulturpessimisten wiederum stellt das Internet eine Gefahr für Bildung und Kultur dar, da die permanente Vervielfältigung von Information, Wissen sozusagen beliebig macht. Und so weiter (GDI Impuls, 2015). Die Beweggründe, sich der Digitalisierung entgegenzusetzen, sind je nach Typus, von durchaus unterschiedlicher Natur. Eine Gemeinsamkeit gibt es aber dennoch.

Denn in einem interessanten Interview stimmt Cachelin mit der Kommunikations-Expertin Nadja Schnetzler überein, dass es den Offlinern darum geht „die digitale Zukunft aktiv mitzugestalten“ und „nicht um einen absoluten Verzicht, sondern um einen differenzierten Umgang mit der digitalen Welt.“

Stellen wir uns so den klassischen Offliner vor? Also nichts mit purer digitaler Abstinenz? Letzten Endes könnte man sich vielleicht eher darauf einigen, dass der Begriff Offliner in der Zukunft des Individuums 4.0 obsolet sein wird. Das was Cachelin hier als Offliner benennt, könnte man doch genau so gut als achtsamen Onliner bezeichnen. Oder wir lassen die Bezeichnungen einfach ganz weg. Ob sich der Einzelne nun Offliner oder Onliner nennt ist doch irrelevant. Es wäre jedoch wünschenswert, dass sich das Individuum 4.0 zu einem bewussten Internetnutzenden wandelt. Also zu jemandem, welcher sorgfältig mit seinen Daten umgeht und soziale Plattformen auch einmal nutzt, um sinnvolle Debatten anzustossen oder ganz schlicht gesagt einfach seinen gesunden Menschenverstand einsetzt  :).

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