As you like it

Like

Heute, am 30.3.2016, kann Kim Kardashian 28’004’809 Likes verbuchen, die weltberühmte Autorin J.K. Rowling muss sich mit weniger als einem Fünftel zufriedengeben, was aber die immer noch beachtliche Zahl von 5’029’752 Likes ergibt. Aber was ist dieses „Like“ und warum gefällt es uns, wenn wir anderen gefallen?
Aus der Sicht der Neurobiologie gibt es keinen grossen Unterschied zwischen Mäusen und Menschen, so jedenfalls die Aussage des Medizinprofessors Joachim Bauer in seinem Buch: „Prinzip Menschlichkeit – Warum wir auf soziale Kontakte reagieren“. Die Motive des Menschen „…wurzeln in dem Streben, Zuwendung und Wertschätzung anderer Menschen zu erfahren“ (Bauer, 2014 in Lembke, 2014, S. 55). Im Zentrum der biochemischen Prozesse im Gehirn steht dabei das Motivationszentrum, das eng mit den Emotionszentren verbunden ist. Wird das Ziel hier als erstrebenswert bewertet, wird diese Information ans Motivationszentrum geschickt. Springt daraufhin das Motivationszentrum an, werden Stoffe ausgeschüttet, die glücklich machen: Dopamin, Oxytocin und Opioide. Diese versetzen den Menschen in Handlungsbereitschaft. Aber was ist der Sinn dahinter? Bauer führt dazu aus, dass „…das natürliche Ziel der Motivationssysteme soziale Gemeinschaft und gelingende Beziehungen mit anderen Individuen [sei].“ Kern aller Motivation sei dabei sowohl soziale Anerkennung zu bekommen, als auch zu geben (Lembke, 2014 S: 55–56). Funktioniert so das „Gefällt mir“-System von Facebook?
Eine weitere Untersuchung der Freien Universität Berlin zeigt, dass ein positives Feedback zur eigenen Person eine hohe Aktivität im Nucleus accumbens, einem Teil des Motivationssystems, zur Folge hat, bei einem positiven Feedback zu einer anderen Person, diese Aktivität geringer bleibt. Je grösser die Diskrepanz zwischen diesen Werten ist, desto ausgiebiger benutzten die Probanden Facebook. Unser natürliches Bedürfnis nach Wertschätzung wird durch das Sammeln von „Likes“ befriedigt und das führt dazu, dass wir das Gleiche mit neuen Posts von Texten und Bildern wieder erreichen wollen. (Lembke, 2014 S. 57-58)

 

„Facebook can be depressing because everyone else’s lives are better than yours…But are they really?“ (youtube, 2016)

Allerdings zeigt das nur eine Seite der Medaille. Nach einer Untersuchung der Universitäten Berlin und Darmstadt sind ein Drittel der User nach dem Besuch bei Facebook frustriert. Dies liegt vor allem an den Neidgefühlen, die das präsentierte Glück der anderen auslöst. Die beliebte Darstellung von Urlaub und Freizeit zeigt die Selbstdarsteller meist fröhlich und glücklich. Weniger Schönes wird ausgeblendet. Das führt zu einem merkwürdigen Phänomen, der Neidspirale. Neidische Facebook-Nutzer neigen dazu, sich selbst grossartiger darzustellen, was dann die Neidspirale weiter am Laufen hält. (Lembke, 2014 S. 59-61)

Und wie könnte es weitergehen mit den Likes? Der aufrechte Daumen hat vor Kurzem Gesellschaft von 5 Emojis bekommen, die das einseitige Ausdrücken von „Gefällt mir“ durch weitere Gefühle bereichern sollen. Wird das die Kommentarkultur auf Facebook tatsächlich bereichern? Und wie kann man eigentlich die Likes dann noch zählen? Wir können nur gespannt sein, welche Reaktionen das im Gehirn von Mäusen und Menschen auslöst.

Facebook Nico Semsrott 2

Unglückskeks von Nico Semsrott , Foto: SF

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2 Gedanken zu “As you like it

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